- Eingereicht als Leserbrief beim Bonner General-Anzeiger
Kommenden Donnerstag soll im Rat der Stadt Bonn die Zukunft der Bonner Bühnen im Grundsatz beschlossen werden. An dieser Zukunft haben wir, der MusiKi Förderverein für den Kinder- und Jugendchor des Theater Bonn, großes Interesse. Unser Dank gilt der Verwaltung, die mit den 5 Varianten eine gute Kalkulationsbasis bietet, die aber mindestens die folgenden Fragen aufwirft:
Warum werden die Kosten für die erforderliche Sanierung des Schauspielhauses in der empfohlenen Variante E (ein Standort in Beuel) nicht berücksichtigt?
Die Antwort scheint naheliegend: Weil das Schauspiel auch nach Beuel ziehen soll. Aber das Schauspielhaus ist denkmalgeschützt und muss deshalb umfangreich saniert werden. In allen anderen Varianten wird dies mit 52 Mio. EUR berücksichtigt. Selbst wenn bei einer Umnutzung auf die veranschlagten 10 Mio. EUR für die Bühnentechnik vollständig verzichtet werden könnte, müssten Kosten von mind. 40 Mio. EUR berücksichtigt werden. Somit verteuert sich die Variante E auf mind. 466 EUR und liegt damit bei den Investitionskosten nur noch hinter den Varianten D (mit Neubau Oper im Modulbau in Beuel) mit 445 Mio. EUR und C (mit Neubau Oper im Modulbau an gleicher Stelle) mit 464 Mio. EUR.
Gibt es Opernhäuser als ‚Fertighaus‘ in Modulbauweise?
Unstrittig ist, dass eine Sanierung des Opernhauses ein großes Abenteuer wäre und am Ende das Opernhaus den Anforderungen einer hoch ausgelasteten Spielstätte weiterhin nicht gerecht wird. Deshalb muss ein Neubau her, die Verwaltung präferiert dafür eine Modulbauweise. Beim Kostenvergleich fällt auf, dass die technischen Anlagen in einer solchen Fertigoper insgesamt 66 Mio. EUR günstiger sein sollen. Bietet die Modulbauweise etwa nicht die technischen Möglichkeiten, die ein moderner, zukunftsweisender Opernbetrieb erfordert? Und was bedeutet Modulbauweise genau? Das Beispiel der Interimsspielstätte des Staatstheater Kassels zeigt, dass man eher eine Industriehalle als ein Opernhaus für das Steuergeld erwarten darf.
Da die Investition in ein neues Opernhaus immer auch ein leuchtendes Wahrzeichen für eine Stadt ist, lässt sich nur schwer nachvollziehen, warum ein solches Highlight – anstatt an alter, bestens geeigneter Stelle am Rheinufer – in ein ehemaliges Industriegebiet nach Beuel verlegt werden soll.
Zusammengefasst: Die Investition in ein strahlendes Opernhaus wird als neues Wahrzeichen direkt am Rhein die größte Anziehungskraft entfalten.
Zum Abschluss noch diese Frage im Interesse des vielversprechenden Nachwuchses der Oper Bonn:
Soll das neue Opernhaus keinen Proberaum für den Kinder- und Jugendchor bieten?
Aktuell probt der Kinder- und Jugendchor mangels musikalischer Proberäume in wechselnden, jeweils freien Räumen im Opernhaus bzw. in Beuel. Bei der Flächenplanung für einen Neubau ist von den neuen 1.441 qm kein einziger für den Kinder- und Jugendchor vorgesehen. Bei einem Neubau müsste bei der Planung auf jeden Fall ein Proberaum für den Kinder- und Jugendchor berücksichtigt werden.
Mit diesen Fragen und Einschätzungen möchten wir unseren Beitrag für eine zukunftsfähige Grundsatzentscheidung einbringen.
Dr. Sven Teschner
Vorsitzender
für den gesamten Vorstand
MusiKi Förderverein für den Kinder- und Jugendchor des Theater Bonn
Hier die Quellen zu dem Leserbrief:
(1) Beschlussvorlage – 260127, Seiten 8 bis 20
(2) Technische Due Diligence – Bericht, Seite 157 und 167, KG 400 Technische Anlagen
(3) Konzeptstudie zu bauliche Varianten der Theaterliegenschaften – Seite 27, 3.4